KRANKHEITEN - Diabetes

Was ist Diabetes mellitus?

Unter Diabetes mellitus versteht man die Blutzuckererkrankung, also die Erhöhung des Blutzuckers im Blut.

Es gibt mehrere Formen von Zuckerkrankheit, die wichtigsten sind Typ 1 Diabetes und Typ 2 Diabetes.
Bei beiden Formen ist der Blutzucker nüchtern höher als 110 mg%.
Liegt der Blutzucker über 100mg% spricht man vom Stadium gestörter Glukosetoleranz.
Liegt der Blutzucker über 125 mg% bezeichnet man das Stadium manifester Diabetes mellitus.
In beiden Fällen ist die Wirkung des Insulins, das den Zucker aus dem Blut in die Muskelzellen (und andere) transportiert, vermindert.
Bei DM1 durch Mangel an Insulin, bei DM2 durch Wirkungsabschwächung des Insulins (und sekundäre Erhöhung des Insulinspiegels).

Beim Typ 1 Diabetes
eher im jugendlichen Alter auftretend, kommt es zu einer Entzündung und einer Schwächung der Inselzellen in der Bauchspeicheldrüse, wodurch die Insulinproduktion hochgradig vermindert ist. Die Erkrankung wird meist durch eine Viruserkrankung ausgelöst und durch eine Überreaktion des Immunsystems weiter verstärkt.
Die Behandlung: Insulingabe und Diät.

Beim Typ 2 Diabetes
besteht im Gegensatz zum Typ 1 Diabetes ein erhöhter Insulinspiegel. Da das Insulin aber in seiner Wirkung geschwächt ist (= Insulinresistenz - letztlich Ursache des erhöhten Insulinspiegels), besteht trotzdem ein erhöhter Blutzucker. Die Insulinschwächung wird durch genetische Faktoren begünstigt, allerdings meistens durch ungesunden Lebensstil hervorgerufen. Insbesonders Übergewicht und Bewegungsmangel fördern die Entwicklung der Insulinschwächung. Dementsprechend ist
die Behandlung: Gewichtsnormalisierung, viel körperliches Training und eventuell zusätzlich Tabletten, ev. Insulin.

Obwohl beide Erkrankungen als Blutzuckererkrankung bezeichnet werden, handelt es sich also im Wesentlichen um zwei ganz unterschiedliche Erkrankungen. Allerdings entsteht auch beim Typ 2 Diabetes nach einem längeren Zeitraum eine Schwächung des Inselapparates in der Bauchspeicheldrüse, wodurch auch bei dieser Erkrankung letztlich ein Insulinmangel entstehen kann und dann die Notwendigkeit Insulin zu spritzen, entsteht.
Diese Entwicklung kann allerdings in vielen Fällen durch eine optimale Behandlung verhindert werden.

Mögliche Folgen von Diabetes

Die erhöhten Blutzuckerwerte bei beiden Erkrankungsformen führen zu einer Beeinträchtigung der Blutgefäße, insbesondere auch der kleinen Blutgefäße. Dadurch bedingt entstehen Durchblutungsstörungen im Herzen (bis zum Herzinfarkt), im Gehirn (bis zum Schlaganfall), in der Niere (bis zur Nierenschwäche mit Notwendigkeit einer Dialyse) und im Auge (bis zu hochgradigen Sehstörungen oder auch sogar Erblindung), sowie Störungen des Fettstoffwechsels mit erhöhten Triglyzeriden und Entwicklung einer Fettleber.
Beim Diabetes ist insbesonders auch die Durchblutung der Zehen durch die kleinen Blutgefäße genau zu überwachen. Hier kann im schlimmsten Fall sogar eine Amputation notwendig werden.

Auch die großen Blutgefäße können verengt werden, was dann zu Durchblutungsstörungen in verschiedensten Organen führen kann. Insbesondere die Beinarterien können betroffen sein.

Weites ist noch zu erwähnen, dass die Möglichkeit der Entwicklung von Nervenstörungen mit Gefühlsstörungen, insbesondere in den Beinen (Ameisenlaufen, Taubheitsgefühle ect.) besteht. Der Fachausdruck dafür heißt PNP = pheriphäre Polyneuropathie.
Auch Infektionskrankheiten können bei Diabetes Mellitus häufiger auftreten.

Die Behandlungschancen sind für beide Diabetes Typen als sehr gut einzuschätzen. Betont sei, dass die Komplikationen oft vermieden werden können (sowohl für Typ 2 als auch für Typ 1), wenn eine optimale Therapie erfolgt.

Der rechtzeitige Beginn einer optimalen Behandlung ganz wichtig!

Fragebogen

Dieser Selbsttest gibt Auskunft darüber,
ob für Sie persönlich ein Risiko besteht, an Diabetes zu erkranken.

Behandlungskonzept:

Beim Typ 1 Diabetes ist eine moderne Insulinbehandlung in der Lage, eine annähernd normale Blutzuckerregulation während des gesamten Tages und der Nacht zu erreichen, wodurch Komplikationen und Spätschäden an Organen oft verhindert werden können, bzw. hinausgeschoben werden können.

Typ 2 Diabetes: Auch hier können Komplikationen und Spätschäden an Organen oft vermindert werden, wobei am Beginn eine Lebenstilveränderung mit Gewichtsnormalisierung und Bewegung, sowie gesunder Ernährung an erster Stelle steht. Eventuell kann eine Kombination mit Tabletten notwendig sein. Insbesondere die positive Veränderung des Lebensstils erhöht die Chancen enorm, Komplikationen zu verhindern oder im optimalen Fall sogar weitestgehend zu einer normalen Blutzuckerregulation zurückkehren zu können.
Erwähnenswert ist dabei, dass bereits geringe Verbesserungen im Bewegungsbereich zu sehr guten Ergebnissen führen. So wären z.B. 43% aller Diabetesfälle vermeidbar durch tägliches Gehen von 30 Minuten oder nach einer Studie aus dem Jahr 2001 wären 91%!! der Diabetesfälle vermeidbar durch Lebensstilveränderung (untersucht bei Frauen). Eine ähnliche Studie zeigt, dass 58% der Diabeteserkrankungen und 30% der Herzinfarkte, bzw. Schlaganfälle alleine durch Beseitigung von Bewegungsmangel verhindert werden könnten.

Wenn Übergewicht besteht, sollte das Gewicht normalisiert werden, wobei allerdings ein langsamer Gewichtsabbau vorzuziehen wäre (z.B. 1/2 - 1kg pro Monat). Dies wird vorwiegend durch fettreduzierte Kost erreicht (um 60 bis 70g pro Tag), sowie durch Vermeiden von stark blutzuckersteigernden Nahrungsmitteln. Insbesondere Zucker und kohlehydrathältige Nahrungsmittel, die sehr schnell ins Blut übergehen (= hoher glykämischer Index), sollten gemieden werden.
Ich empfehle Ihnen eine Ernährungsberatung oder Diätberatung, um die einzelnen Maßnahmen gut kennen zu lernen.

Ebenso wichtig ist die Steigerung der körperlichen Bewegung, wobei insbesondere auch die Alltagsbewegung große Chancen bietet, wie z.B. vermehrtes Gehen, Stiegensteigen, Auslassen einer Straßenbahnstation und zu Fuß gehen, Radfahren, Schwimmen ect.

Als Ziel wären 3-5 Stunden körperliche Bewegung pro Woche anzustreben (wobei auch schnelles Gehen als sportliche Betätigung zählt). Vorher ärztliche Untersuchung notwendig!

Für den Typ 2 Diabetes stehen Medikamente zur Verfügung, die

  1. die Aufnahme des Blutzuckers aus dem Darm vermindern: Acarbose und Metformin
  2. Medikamente, die die Insulin-Empfindlichkeit verbessern: Glitazone und Metformin
  3. Medikamente, die die Bauchspeicheldrüse zu erhöhtem Insulinausstoß veranlassen: Sulfonylharnstoffe, Glinidine
  4. Medikamente, die die Insulinwirkung indirekt erhöhen und andere günstige Wirkungen auf den Zuckerstoffwechsel haben: Gliptine und Inkretinmimetika

Insgesamt muss man betonen, dass die Veränderung des Lebensstils oft die bessere Wirksamkeit, verglichen mit den Medikameten zeigt. Lebensstilveränderungen sollen langsam passieren, um letztlich neue Gewohnheiten zu entwickeln. Positiv ist dabei, dass diese Veränderungen sich unmittelbar auf das Wohlbefinden und die Lebensqualität auswirken. Auch im Bewegungsbereich gibt es entsprechende Begleitmaßnahmen und Schulungen, die Ihnen bei der Entwicklung eines gesunden Lebensstils helfen können.

Ein wesentlicher Punkt ist noch für alle Diabetiker eine gute Einstellung des Blutdrucks mit einem Zielblutdruck um 125/75, sowie eine optimale Einstellung der anderen Risikofaktoren, insbesondere des Cholesterin, der Triglyzeride und auch der Harnsäure, natürlich auch die Beendigung des Rauchens und Stressreduktion.

Notwendige Kontrollen:

Blutdruck, Augenuntersuchung jährlich, Durchblutung der Beine, Fettstoffwechsel, Blutzucker nüchtern und nach dem Essen, HbA1c Wert (gibt Auskunft über Blutzuckereinstellung innerhalb der letzten drei Monate) und Körpergewicht, Überwachung bei Auftreten von Gefühlsstörungen im Bereich der Beine und weitere je nach Situation.

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