KRANKHEITEN - Bluthochdruck

Was ist Bluthochdruck (erhöheter RR) ?

Erhöhung des RR in den Blutgefäßen, den Beinen, im Herzen oder auch anderen inneren Organen.
Von einem normalen RR spricht man, wenn die Tageswerte im Durchschnitt unter 135/85 liegen (mindestens 3/4 aller Messungen, am besten durch mehrfache Selbstmessung oder 24h-Blutdruckmessung).
Diese Werrte gelten für die meisten Patienten. In besonderen Situationen können höhere oder auch niedrigere Werte empfehlenswert sein. Die Zielwerte müssen im Einzelfall entschieden werden!

Was sind Ursachen von RR-Erhöhungen?

Meistens besteht keine Organerkrankung als Ursache für die RR-Erhöhung (wie z.B. Nierenerkrankungen, Hormonstörungen oder andere Krankheiten). Vielmehr ist der Blutdruck aufgrund mehrerer Faktoren erhöht.

Folgende Faktoren kommen in Frage:

Einzelne oder eine Kombination dieser Faktoren erhöhen den Blutdruck. Umgekehrt werden positive Veränderungen in diesen Bereichen den RR wieder senken.

Mögliche Folgen bei einem nicht gut eingestellten Blutdruck:

Wenn Ihr Blutdruck gut eingestellt ist, sei es mit Medikamenten oder mit nichtmedikamentösen Maßnahmen (oder einer Kombination), ist die Prognose zur Erhaltung Ihrer Gesundheit bis ins hohe Alter als gut einzuschätzen, und die hier aufgezählten möglichen Folgen werden wesentlich seltener als ohne Behandlung eintreten!

Ihre Blutgefäße versorgen den ganzen Körper mit Blut, Sauerstoff und Nährstoffen und stellen damit die Funktion aller Körperorgane sicher. Die Blutgefäße stellen somit einen der zentralen Faktoren ihrer Lebenskraft dar. Durch erhöhten Blutdruck können sich die Blutgefäße verengen, der Herzmuskel kann sich verdicken und an Elastizität verlieren. Folgen wären eine möglicherweise verminderte Herzleistung und eine gestörte Durchblutung in verschiedenen Bereichen ihres Körpers, z.B. im Gehirn, in den Beinen, im Herzen oder auch anderen inneren Organen.
Sie können also durch Blutdrucknormalisierung das Risiko des Auftretens von Durchblutungsstörung der Beine, des Herzens (Herzinfarkt), der Nieren, von Schlaganfällen oder anderen Organerkrankungen deutlich senken. Das heißt, sie erhalten sich eine sehr gute Chance auf eine gute Lebenserwartung und Lebensqualität, sowohl in körperlicher als auch geistiger Hinsicht.

Behandlung:

Nichtmedikamentöse Maßnahmen und Medikamente stehen zur Wahl.

Medikamentöse Maßnahmen

sind bei guter Auswahl als gefahrlos einzuschätzen. Falls notwendig, werde ich Ihnen das für Sie am besten geeignete Medikament vorschlagen und die entsprechenden Kontrollen, falls solche notwendig sind, empfehlen bzw. für Sie durchführen. Bei auftretenden Nebenwirkungen bitte ich Sie, sich bei Ihrem Hausarzt oder bei mir zu melden.
Mehr Information über medikamentöse Behandlung?

Nichtmedikamentöse Behandlungsformen

Die nichtmedikamentösen Maßnahmen sind sehr wichtig, da sie auch noch viele andere positive Wirkungen auf Ihre Gesundheit und Ihr Wohlbefinden haben und keine Nebenwirkungen zu befürchten sind.
  1. Ausreichende und gesunde Bewegung - Ausdauertraining

    sind sehr wichtig, wobei man heute davon ausgehen kann, dass die gesundheitsfördernde Wirkung ab 1 1/2 Stunden Ausdauertraining pro Woche beginnt und bis zu 5-7 Std. pro Woche weiter zunimmt.
    Als 1. Ziel wären 1 1⁄2 -3 Stunden Bewegung pro Woche in langsamen Schritten anzustreben.

    Im Vordergrund der Gesundheitsförderung steht dabei das sogenannte Ausdauertraining. Dabei handelt es sich um eine leichte kontinuierliche körperliche Belastung, bei der man sich sehr wohl fühlt, nicht außer Atem gerät und sich leicht unterhalten kann. Am Anfang kann dies oft nur schnelles Gehen sein, das aber dann schon den gesundheitsfördernden Effekt hat. Ansonsten kommen alle Sportarten in Frage, die eine längere gleichmäßige Belastung ermöglichen: Laufen, Wandern, schnelles Gehen, Bergaufgehen, Radfahren, Schwimmen etc. Auch einer Zunahme der Alltagsbewegung kommt eine große Bedeutung zu: z.B. eine Station früher aus der Straßenbahn aussteigen und zu Fuß gehen oder Ähnliches.

    Als Faustregel für Ausdauerbelastung gilt Folgendes: Vom Höchstpuls (z.B. im Rahmen eines Belastung- EKG´s festgestellt) zieht man den Ruhepuls (gemessen nach längerer Ruhezeit oder liegend im Bett) ab. Von der Differenz der beiden nimmt man 50-60% und zählt den Ruhepuls dazu.
    Hat jemand beispielsweise eine höchsten Puls von 160 und einen Ruhepuls von 60, wäre die Differenz 100. Davon 50% oder 60% genommen ergibt also einen empfehlenswerten Puls von 110 bis 120.

    Man kann den Puls während der sportlichen Betätigung selber messen (z.B. am Handgelenk, das wären dann knapp unter 20 Schlägen in 10 Sekunden) oder eine Pulsuhr verwenden.
    Formel: Trainings-HF (Herzfrequenz=Puls)= [(HFmax - HFRuhe)+ Ruhepuls]x 0,5 (oder 0,6 bei etwas besser Trainierten)

    Voraussetzung für die Durchführung einer körperlichen sportlichen Betätigung ist die Durchführung eines Belastungs- EKG´s und einer ärztlichen Untersuchung, um gesundheitliche Risiken auszuschließen.

    Der Puls, der für Ihr Training passt, kann dann festgelegt werden.


    Ein wichtiger Tipp: suchen Sie sich eine Sport- oder Bewegungsart, die Ihnen Spaß macht, überlegen sie, wann, mit wem und wo sie die Sportart gerne und leicht ausüben können. Ein sehr wichtiger Aspekt ist aus meiner Erfahrung, dass man viel Spass an der Bewegung hat und dass man dabei das Zusammensein mit Familie, Bekannten und Freunden genießen kann. Dann besteht eine gute Chance, der Bewegung als gesundheitsfördernde Gewohnheit in Ihrem Leben einen festen Platz zu geben.


  2. Der Gewichtsnormalisierung

    kommt für eine gute RR- Einstellung eine große Bedeutung zu, allerdings kann (bei stärkerem Übergewicht) auch schon eine Gewichtsabnahme von 5-6 kg eine deutliche RR-Senkung zur Folge haben.

    Die Gewichtsreduktion wird am besten und leichtesten erreicht durch Einschränkung des Fettkonsums auf ca. 60-70g für Frauen und 70-80g für Männer. Dabei ist jeweils 1/3 dieser Menge für Streich-, 1/3 für Koch- und 1/3 für verstecktes Fett anzurechnen.
    Dies bedeutet, dass man die Fettreduktion sehr aufmerksam und streng durchführen muss, weil man sonst diese Werte leicht überschreitet. Der Vorteil ist, dass man nicht zu hungern braucht, da man sich mit anderen Nahrungsmitteln, insbesondere mit Kohlehydraten gut sättigen kann (Obst, Gemüse, Beilagen, Brot. etc).

  3. Die Einsparung von Salz

    ist ein weiterer wichtiger Punkt der Ernährung. Diese Einsparung ist schon etwas schwieriger zu erreichen, da Salz in vielen Nahrungsmitteln bereits enthalten ist, insbesondere auch in Gasthäusern, in Fertigprodukten, Würsten usw. Man findet viel leichter fettarme Nahrungsmittel als salzarme.
    Eine gute Möglichkeit ist, sehr viele Mahlzeiten selbst frisch zuzubereiten, da frische Nahrungsmittel ( Obst, Gemüse, Fleisch, Fisch etc.) meist kein Salz enthalten und die Zubereitung mit wenig Salz, frischen Kräutern und Gewürzen erfolgen kann.

    Salzgehalt

    Sehr hilfreich wäre, wenn Sie sich eine Nahrungsmitteltabelle kaufen würden (in jeder guten Buchhandlung erhältlich). In dieser Nahrungsmitteltabelle findet man dann unter den aufgelisteten Nahrungsmitteln eine Spalte für Salz oder für Natrium und kann dann selbst zusammenrechnen, wieviel Salz bzw. Natrium man gegessen hat. ( 5 Gramm Salz entsprechen dabei 2 Gramm Natrium als Zielvorgabe für einen Tag). Natürlich finden Sie in diesen Tabellen auch genaue Werte für Fettgehalt von Nahrungsmitteln. Eine persönliche Beratung ist aber notwendig!

    Eine Reduktion des täglichen Salzkonsums auf maximal 5 bis 6 Gramm ist lt. internationaler Empfehlung das Ziel.
    Der Salzkonsum in Großbritannien liegt bei 8-9 g/d. In Deutschland dürfte er ähnlich hoch sein. In dieser Studie aus GB wurde ermittelt, dass ca. 23% der täglichen Salzmenge aus dem Salzstreuer kommen, 18% aus industriell verarbeitetem Fleisch, 13% aus Brot und Backwaren, 12% aus Milch und Käse und 11% aus Saucen und Brotaufstrich. Besonders Hypertoniker, aber auch die gesamte Bevölkerung, könnten von einem niedrigen Salzkonsum gesundheitlich profitieren. Die Zunge gewöhnt sich schnell daran.

    Es ist mir wichtig zu betonen, dass Sie nicht alle Ziele voll umsetzen müssen!

    Manches wird Ihnen leichter fallen, Manches schwerer, aber das, was Sie gut umsetzen können, wird sich günstig auf Ihren Blutdruck auswirken.

    Kleine Schritte reichen aus, Langsamkeit ist wichtig,

    denn es wäre ja paradox, wenn Sie nach dem Lesen dieser Ratschläge beginnen würden, sich unter Druck zu setzen, ist doch unser gemeinsames Ziel, Ihren (Blut)Druck zu senken! Aber Sie werden sehen, dass es Ihnen viel Spaß machen wird, Neues zu probieren, zu spüren, was Ihnen gut tut und Ihre Lebensqualität erhöht und Anderes sein zu lassen, weil es nicht gut zu Ihnen passt. Das führt geradewegs zum nächsten Thema.

  4. Stressreduktion

    Der 1. Aspekt ist das Erlernen von Entspannungstechniken

    z.B. autogenes Training, Muskelrelaxation nach Jakobson oder meditative Techniken. Diese sind sozusagen zwischendurch oder nach einer höheren Stressbelastung oder auch regelmäßig z.B. 1x pro Tag sehr wirksam. Ich empfehle Ihnen gerne entsprechende Kurse. Allein die Einplanung von regelmäßigen Pausen kann schon sehr viel bewirken.

    Die wissenschaftliche Forschung zeigt, dass diese Maßnahmen sehr wirksam sind. Teilweise wirksamer als einzelne Medikamente. Dabei ist es wie bei einem Medikament wichtig, die entspannenden Maßnahmen regelmäßig durchzuführen. Dazu zählen auch Maßnahmen wie ein warmes Bad (wirkt schon Blutdruck senkend ab 1x wöchentlich!!) oder auch Sauna etc.
    Beim Saunieren ist zu beachten, dass man ausreichend trinkt, nicht in ein Kaltbecken geht bzw. sich nicht kalt, sondern nur lauwarm nach dem Saunagang duscht. Vorher Ihren Arzt fragen!

    Der 2. Aspekt ist die Reflexion des eigenen Stressverhaltens.

    z. B. kann man mit einer erfahrenen PsychotherapeutIn (oder Coach) die eigenen Anteile an der Entstehung der Stresssituation, die man immer wieder erlebt, erkennen und verändern. Wodurch manches “leichter” wird. Vielleicht gehören Sie zu den Menschen, die alles sehr genau nehmen, sehr fleißig sind und viele Aufgaben übernehmen, sich manchmal überfordern. Vielleicht sind Sie sehr ehrgeizig und verlangen von sich selbst sehr viel oder würden am liebsten keine Fehler machen, usw. Das alles sind Lebensgewohnheiten, die ein bißchen Zeit und Aufmerksamkeit brauchen, wenn man Teile davon ändern möchte.

    Trotzdem sind oft nur wenige Treffen mit einem/r spezialisierten Therapeuten/in notwendig, um neue Ideen für positive Veränderungen im diesem eigenen Stressverhalten zu finden.

Chancen der nicht medikamentösen Blutdruckbehandlung

Alle oben genannten Aspekte, also Bewegung, Gewichtsreduktion, Ernährung und Stressreduktion sind sehr wirksam für die Senkung des Blutdrucks. Für manche Patienten ist sogar eine Normalisierung durchaus erreichbar!

Alle diese Maßnahmen haben aber noch zusätzliche positive Nebenwirkungen wie z.B.: Entlastung der Gelenke bei Gewichtsreduktion, Stärkung des Immunsystems bei Ausdauertraining, Krebsprophylaxe bei gesunder Ernährung und Ausdauertraining, verbesserte Schlafqualität durch körperliches Training oder Verbesserung der psychischen Befindlichkeit. Aber am wichtigsten ist: Sie werden sich Schritt für Schritt wohler fühlen und Freude an Ihrer verbesserten Gesundheit haben!

Ich möchte noch erwähnen, dass solche Veränderungen von Teilen des eigenen Lebensstils natürlich einige Zeit brauchen und manchmal auch nicht ganz einfach sind, weil man doch Gewohnheiten ändern soll. Dennoch ist dieser Weg sehr erfolgversprechend. Wenn man sich selbst entsprechend Zeit gibt, sich also auf diesem Weg nicht unter Druck setzt, ist dieser Weg durchaus schrittweise, vielleicht nur langsam und mit manchen Rückschritten, umsetzbar.

Ich sehe es als meine Aufgabe, Sie bei diesem Prozess zu begleiten, Ihnen Tipps zu geben bzw. Sie an Kolleginnen und Kollegen weiter zu vermitteln, die Ihnen ebenfalls bei diesem Prozess der Förderung Ihrer eigenen Gesundheit behilflich sein können.

Ich wünsche Ihnen viel Erfolg und Freude an der Entwicklung Ihrer Gesundheit. Ich mache immer wieder die Erfahrung, dass eine Verbesserung des eigenen Lebensstils in Richtung mehr Gesundheit das Wohlbefinden deutlich verbessert und dass die Lebensqualität steigt.
Das wünsche ich Ihnen und stehe mit meinem Team für allfällige Fragen gerne zur Verfügung. Was ich Ihnen auf Ihren Weg mitgeben möchte:

Langsamkeit und Freude an kleinen Schritten

Und wenn Sie einmal unversehens 2 oder 3 Schritte rückwärts gehen,dann erinnern Sie sich an folgenden Gedanken des portugiesischen Schriftstellers Fernando Pessoa:

Wir vergöttern die Vollkommenheit, weil wir sie nicht erreichen können;
wir würden sie verwerfen, wenn wir sie hätten.
Das Vollkommene ist unmenschlich, denn das Menschliche ist unvollkommen.

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